„Leben und leben lassen“ – das ist DIE Kurzformel für das bayerische Lebensgefühl. Weltoffenheit und Toleranz garantieren, dass in Bayern Menschen unterschiedlichster Ethnie und Religionszugehörigkeit friedlich zusammenleben.

Für die einen ist Religion ein identitätsbestimmender Bestandteil ihres Lebens und Grundlage ihrer Lebensgestaltung. Für die anderen ist es das nicht. Das Grundrecht der Religionsfreiheit,  das in ganz Deutschland vorbehaltlos gewährleistet ist (Artikel 4 Grundgesetz, Artikel 107 Bayerische Verfassung), stellt sicher, dass jeder nach seiner Façon glücklich werden kann. Jeder darf sich zu einer Religion bekennen, das Bekenntnis wechseln, oder sich ausdrücklich nicht bekennen (negative Religionsfreiheit).

Die Kirche St. Bartholomä am Königssee im Berchtesgadener Land ist eines der beliebtesten Foto-Motive Bayerns.
St. Bartholomä, Wallfahrtskapelle am Westufer des Königsees auf der Halbinsel Hirschau (geweiht 1868, Teile aus dem 12. Jahrhundert) ist nur über hochalpine Wege oder über das Wasser erreichbar und eines der meist-fotografierten Motive in Bayern. © fotolia.com/AndreasEdelmann

Der Staat ist weltanschaulich zur Neutralität verpflichtet. Aber er ist nicht wertneutral. Denn die freiheitliche Ordnung braucht, so hat es Ernst-Wolfgang Böckenförde formuliert, „ein verbindendes Ethos, eine Art „Gemeinsinn“ bei denen, die in diesem Staat leben“. Und er fragt: “Woraus speist sich dieses Ethos, das vom Staat weder erzwungen noch hoheitlich durchgesetzt werden kann?“. In Deutschland und Bayern ist der Staat daher religionsfreundlich und zeigt dies in einer positiven Neutralität, bei der Religionen bewusst in den öffentlichen Raum mit einbezogen werden. Die Verantwortung vor Gott und der Respekt vor der Würde jedes Menschen sind Kernelemente der Präambeln des Grundgesetzes als auch der Bayerischen Verfassung.

Mancher Neuankömmling staunt, dass die christlichen Wurzeln bis in die alltäglichen Redewendungen reichen: zur Begrüßung „Grias Di“, „Grüß Gott“, zum Abschied "Pfiat di (Gott)", zum Dank  "Vergelt's Gott!". Nichts davon ist verpflichtend. Im Klima der Toleranz bestehen sie friedlich nebeneinander: Religionen aus aller Welt und die jahrhundertealten christlichen Zeugnisse wie Kirchen, Muttergottes- und Heiligenstatuen, Gipfel- und Wegkreuze.

Religiöses Bekenntnis, Beweis für Religionsfreiheit oder Gradmesser für Toleranz. Das sieht jeder wie er will: „Leben und leben lassen“

Zahlen und Daten

Wohnbevölkerung Bayern, Stand 31.12.2011:
12.595.891 Einwohner

Hauptreligionenin % der Bevölkerung
Katholiken:6.818.61054,4
Evangelische Christen: 2.558.04320,4
Muslime:  528.000  4,2
Juden:      7.1020,06